Historie

Kulturverein Harlaching e.V.

Günstig zeigte sich in diesem Jahr auch das Wetter, das den König sonst nicht selten dazu zwang, die Feierlichkeiten in den Juni zu verlagern:

 

„[D]ie Genialität [der Künstler] und das Glück siegte trotz aller Regenstürme und Gewitter. Ein Himmel spannte sich auf, azurblau wie ihn Rottmann nicht glänzender hätte malen können und die Auen und Wälder thaten ihren besten Frühlingsschmuck an.“

 

 

Der historische Gutshof

 

Der Gutshof Menterschwaige war seit dem 15. Jahrhundert in Besitz der bayerischen Herzöge. Vormals unter dem Namen „Schwaige Harthausen“ geführt, entwickelte sich das abgeschiedene Gasthaus im 19. Jahrhundert unter Führung des „Menterbräuers“ Johann Peter Gaigl zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Münchner, das auch in Reiseführern seinerzeit nahegelegt wurde und neben den Wirtschaftsräumen Stallungen, Hofhaus, Stadel und Garten umfasste. 1898 wurde das vier Hektar große Anwesen von der AG „Bürgerliches Bräuhaus München“ erworben und zum Teil umstrukturiert, da die Menge der Besucher unten den herrschenden Gegebenheiten nicht mehr zu bewältigen war. Alter Baubestand wurde durch großzügigeren und sowohl außen- wie innenarchitektonisch ansprechenderen Raum zu einem „Etablissement ersten Ranges“ ersetzt, darunter auch ein angegliederter Festsaal mit Bühne. Diese Formation ist bis heute weitgehend erhalten geblieben.

 

Historie

 

Künstlerfeste auf der Menterschwaige

 

Im Frühsommer hielt König Ludwig I. auf der Menterschwaige stets seine Künstlermaifeste ab. Er hatte den Gutshof als Ausflugsziel durch seine Jagdgesellschaft kennengelernt, die sich im Anschluss an ihren Ritt durch das Unterholz dort eine Stärkung genehmigte, und damit einen Schauplatz aufgetan, der auch bei der Münchner Künstlerschaft auf Anklang stieß.

Das „Neue Münchner Tagblatt“ aus dem Jahr 1899 beschreibt den Festzug, der die Feierlichkeiten mit einem aufwendig geschmückten Aufmarsch der Künstler und Sänger mit Fahnen, Trinkhörnen und Sonnenschirmen eröffnet. Eine anschauliche Schilderung des Geschehens vermittelt uns Edmund Zoller mit einem Beitrag aus dem Jahre 1860, der in der Zeitschrift „Über Land und Meer“ abgedruckt wurde. Der Festzug beginnt in Thalkirchen und steigt aus dem Tal über die Eisenbahnbrücke in Hesselohe hinauf, von wo aus er sich seinem Ziel am Isarhochufer nähert:

 

„Dort auf den Höhen des rechten Flussufers war der Festplatz. Man sieht direkt in die beschneiten Kämme des Hochlandes, in die weiten dunklen Ketten der Vorberge, die heute in Duft verschleiert stehen – auf der anderen Seite dagegen hebt sich die thurmreiche Monachia [Stadt München] am Horizont. An manchem sonnigen Herbst- und Frühlingstage sitzen die guten Münchner hier oben in dem Glashaus der Menterschwaige und belohnen sich für die Mühen der Woche oder des Spazier-gangs. Es ist ein Ort, der immer in Mode bleiben wird.“ (Ueber Land und Meer. Allgemeine Illustrirte Zeitung 1860, Nr. 35, S. 551)

 

Während der von König Ludwig ausgerichteten Festlichkeiten geht das leibliche Wohl mit dem Kunstgenuß einher: Die Burschen lagern im Gras, die Damen weilen auf Teppichen oder Bänken, Köstlichkeiten machen die Runde und zwischendurch hat die Gesellschaft Gelegenheit zum Besuch zweier Bühnen, auf denen vor der Kulisse prächtiger Statuen, Kandelaber und des übrigen Bühnenbildes eine Auswahl von Trauer- und Lustspielen dargeboten wird.

 

Dabei erstreckte sich „über dem Getreibe ein Baldachin des grünen hochwipfligen Waldes, auf den unteren Zweigen ausgebreitete Tücher und Shawls, und mitten unter der wogenden Menge das Königspaar ohne Zwang und ohne Ostentation an der heiteren und doch so bedeutungsvollen Feier theilnehmend; welche Stadt Deutschlands vermöchte jetzt ein ähnliches Volksfest zu zeigen.“

 

Maifest der Münchner Künstler und Sängervereine auf der Menterschwaige bei München, 1860.

 

Die Menterschwaige nach dem Umbau, Postkarte von 1908.

(Quelle: Dorle Gribl: Harlaching und die Menterschwaige, München 2004, S. 170ff. und 176ff.)